Über den inneren Schweinehund …. Quäl dich du Sau!

Der letzte Anstieg bei Kilometer 40 ist der schlimmste. Patrick ist mit dem Fahrrad schon hochgeradelt. Er hat schon den Helm über den Lenker gehängt und nimmt noch mal einen Schluck aus der Trinkflasche, die letzte Stärkung für die letzten Meter. Bei meinen letzten Schritten bis zum Scheitelpunkt an der A 73 Brücke bei Neershof kommen die Oberschenkelkrämpfe. Auf das Fahrrad komme ich nicht so schnell.

Zum dritten mal starten ich mit meinem Kumpel Patrick bei der fünften Auflage des „Run and Bike Teammarathon“. Ein Team bestehend aus einem Radfahrer und eines Läufers laufen eine Strecke über die Marathondistanz durch das Coburger Land. Es kann beliebig oft gewechselt werden. Zu dem Wettbewerb kamen wir durch einen bekannten. Bereits die Wochen bereiteten wir uns durch Lauftraining, wenn auch nimmer immer ganz konsequent, auf den Lauf vor. 

An der Lützelbucher Rolf-Forkel-Halle starteten am Samstag den 17. Juli die Läufer in den frühen Abend. Gott sei Dank hatte es abgekühlt, denn bei 36 Grad wäre es zum Höllentrip geworden. Die Fahrradfahrer starteten früher Minuten früher und stellten sich am Ortsausgang von Seidmannsdorf auf um die Läufer zu empfangen. Kurz vor dem Startschuss stieg das Adrenalin, würden wir es schaffen? Patrick fuhr den ersten Abschnitt mit dem Fahrrad ich würde dann am Treffpunkt übernehmen. Nach dem Startschuss durch Oberbürgermeister Norbert Kastner ging es im höchsten Tempo über den Fahrradweg auf die Rundstrecke.

Nach den ersten Wechseln waren wir noch frisch, denn zehn Kilometer sind wir während unserer Trainingseinheiten gelaufen. Die Strecke verlief durch Seidmannsdorf und schlängelte sich bergaufwärts über den Flugplatz „Steinrücken“ nach Creidlitz. An der ersten Verpflegungsstation am Wolfgangssee „tankten“ wir unter Sambarythmen auf. Bei Kilometer 11,5 trennten sich unsere Wege. Patrick saß auf dem Rad und ich rannte über Stock und Stein durch den Wald zum Sportplatz der SpVgg Wüstenahorn.

Danach war erst mal ein Wechsel angesagt. Die Oberschenkel fingen langsam an zu brennen und atmen konnten wir auch schon mal besser. Durch Scheuerfeld und den „Trimm Diich Pfad“ liefen wir gut und brauchten zwanzig Kilometer ein bisschen mehr als eine Stunde.

T-Shirt und Hose waren komplett durchgeschwitzt und die Schweißperlen rannen nur so durch über das Gesicht. In Beiersdorf passierten wir die zweite Fanmeile an der die Zuschauer uns mit Applaus und Rufen aufmunterten. Über den Wolfgangssee, die Bertelsdorfer Höhe und dem Schwimmbad ging es zum schwersten Teil der ganzen Strecke. Im letzten Jahr hatte ich am Festungsberg meinen Tiefpunkt. Total erschöpft konnte ich das Fahrrad nur hochschieben. Patrick, der Arme, musste die vielen Höhenmeter alleine bewältigen.

In diesem Jahr hatte ich Glück. Die Anhöhe in den Hofgarten schaffte ich und wechselte mit Blick auf das Schlossplatzfest auf das Fahrrad. Immer in Blickkontakt radelte ich Patrick hinterher, aber ich wollte und wollte ihm einfach nicht näher kommen. Die Waden und die Lugenflügel brannten. „Komm quäl dich du Sau“ ging mir immer durch den Kopf. Aufgeben und schieben ging nicht.

Ich habe mich noch nie so gefreut wo ich den Flugplatz „Brandsteinsebene“ gesehen. Bei einer langen Abfahrt nach Lützelbuch konnten wir uns erholen. Die Sieger waren schon längst im Ziel, da mussten wir noch eine Schleife durch den Wald bei Neu- Neershof drehen. Die letzten zehn Kilometer und der Punkt wo man nicht mehr kann, außer laufen laufen und noch nochmals laufen war schon längst überschritten.

Irgendwie haben wir es, wie in den letzten zwei Jahren auch ins Ziel geschafft. In drei Stunden und dreißig Minuten finishten wir an der Rolf-Forkel-Halle. Wir hatten unsere Zeiten der letzten Läufe um zehn Minuten verbessert.

Nach dem Duschen entspannten wir auf der Liege bei einer Massage unserer müden Beinen. Zuhause angekommen ging es nur ins Bett ….

Wie in jedem Jahr hat der „Run and Bike Teammarathon“ wieder viel Spaß gemacht. Im nachhinein ist man richtig stolz den seinen Inneren Schweinehund zu überwinden und alles aus sich heraus zu holen.

Übrigens: Auf der Waage verlor ich im Vergleich zum Vortag ganze zwei Kilo. Marathon macht schlank 😉

2 Kommentare

  1. Marcel 2599 days ago

    Oh wow, und ich fand den 30 Km Marsch bei der Bundeswehr schon schlimm genug 🙂 Respekt!

  2. David 2586 days ago

    Respekt, des wäre ja mal gar nichts für mich!

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