Tuning, Veredeln oder doch nur Angeberei?

Mal Hand aufs Herz, wer fühlt sich nicht als etwas ganz Besonderes, als einen einzigarten Menschen. Tut es nicht gut, Komplimente zu bekommen? Für gute Leistungen auf der Arbeit, beim Sport, für ein lecker gekochtes Essen für die liebe Familie oder den Partner? Denke wir sind uns alle einig, das sind wahre Streicheleinheiten für die Seele! Warum also auch nicht einmal selbst die Sinne verwöhnen, der Kreativität freien Lauf lassen und sich was gönnen?!

Es ist auf deutschen Straßen nicht mehr weg zu denken! Es gibt viele verschiede Ausdrücke dafür:  Tuning, veredeln, aufmotzen, pimpen, umbauen, verfeinern oder einfach sein Auto im Sinne vom eigenen, individuellem Schönheitsbild zu gestalten. Und genau da gibt es leider verschiedene Vorurteile gegen diese Szene, die ich persönlich für schon lange überholt empfinde! Man müsste sehr weit ausholen, in der Zeit zurück gehen und über den großen Teich schauen, um dem Ursprung, für das nennen wir es mal umgangssprachlich ,,Tuning“, auf die Spuren zu kommen.

Es ist nicht ausgeschlossen und leider auch in dieser Richtung die traurige Wahrheit, dass es auch da schwarze Schafe gibt, die am Rande der Legalität oder mit gefährlichen Maßnahmen dahin wollen, wo andere durch lange, harte Arbeit erst hingekommen sind. Wir verschließen davor sicher nicht die Augen, wollen es auch nicht unter den Teppich kehren aber das ist hier nicht das Thema!

Vielmehr sehe ich es hier als Anreiz und Chance, Außenstehenden, Kritikern und anderen Verkehrsteilnehmern unser Hobby, unsere Leidenschaft einen Schritt näher zu bringen und uns besser zu verstehen. Das ,,warum“ steht hier sicherlich als Frage im Raum, betrachten
wir aber lieber mal einen anderen Blickpunkt:

,,Was wäre wenn nicht“?

Sicherlich hat jeder seine eigenen Gründe, warum er sein KFZ veredelt. Aus eigener Erfahrung und nach vielen eigenen Projekten und Fahrzeugen an denen ich mitgewirkt habe, kann ich beruhigt sagen, ich mache es aus Spaß, als Hobby und aus Leidenschaft. Es ist ein Ausdruck von Kreativität, verlangt Geduld, Fingerspitzengefühl und bei einigen kniffligen Aufgaben ist es auch eine Denksportaufgabe! Es geht nicht nur darum, mit dem Boliden, der tiefer und lauter ist sinnlos durch die Gegend zu rasen und den Nachbarn auf die Nerven zu gehen! Man darf die Arbeit, die dieses Hobby mit sich bringt, die viele junge Leute von der Straße in heimische Garagen oder angemietete alte Industriehallen holt nicht vergessen! Auf den eigenen Wirtschaftszweig, der keinen geringen Teil an der deutschen Marktsituation beträgt mal nicht eingegangen. Egal ob jung oder jung geblieben, was würden diese Leute sonst in Ihrer freien Zeit anstellen, wenn sie nicht gerade dem Vereinsleben eines Sportvereins beiwohnen oder daheim an der Spielkonsole vorm Bildschirm kleben? Richtig, vielleicht kommen sie auf dumme Gedanken, knallen sich die Birne weg mit hochprozentigem, nehmen Drogen, lungern irgendwo auf der Straße rum und belästigen Passanten!Man könnte das hier sicherlich als eine nie enden wollende Diskussion weiter führen und am Ende kommt man immer wieder auf das gleiche Ergebnis: Jedem das, was er selbst am liebsten macht! Vielleicht aber gibt es Hoffnung wenn sie das nächstemal ein getuntes, mit Liebe verfeinertes Auto sehen, was an Ihnen mit einem Sportauspuff vorbei fährt oder mit geringer Geschwindigkeit in Schlangenlinien die hügeligen Bahnschienen überquert und sie lassen das schimpfen sein und denken sich eher: Fahr ruhig langsam, geb Acht auf Dein Auto und lass die Finger von Drogen und Ärger! Vielen Dank!!!

Daniel Rupprecht aus Weidhausen